Hausgottesdienst am
1. Fastensonntag im Jahreskreis A
„Versucht“
22. Februar 2026
Lied:Gl 283, 1-4: Aus der Tiefe rufe ich zu dir...
Kreuzzeichen - evtl. Entzünden einer Kerze
Gedanken zur Hinführung:
An jedem 1. Fastensonntag wird uns die Versuchung Jesu vor Augen gestellt. Es gibt viele Formen der Versuchung - das wissen wir aus eigener, leidvoller Erfahrung. Das Evangelium zeigt uns auf, wie Jesus mit der Erfahrung der Versuchung umgegangen ist und sie gemeistert hat. Das soll uns Mut machen, uns unseren eigenen Versuchungserfahrungen zu stellen.
Gebet:
Herr, unser Gott,
Du schenkst uns die Heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Erneuerung.
Gib uns die Fähigkeit,
das Geheimnis Christi für unser Leben besser zu verstehen
und daraus zu leben.
Darum bitten wir durch ihn,
Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn
(Nach: Peter Köster: Gebete für die Feier der Eucharistie - S. 168)
Lesung aus dem Buch Genesis (Gen 2, 7-9; 3,1-7):
Gott, der Herr, formte den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen
auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.
Lied:Gl 427, 1: Herr, deine Güt' ist unbegrenzt....
Halleluja:Gl 584,9: Lob dir Christus, König und Erlöser...
Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 4, 1-11)
Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm.
oder in leichter Sprache:
Einmal ging Jesus in die Wüste.In der Wüste gibt es nur heißen Sand.In der Wüste gibt es nichts zu essen. Jesus blieb 40 Tage in der Wüste. Jesus hatte 40 Tage nichts zu essen. Jesus bekam Hunger. Da kam der Teufel zu Jesus. Der Teufel wusste, dass Jesus nur tut, was Gott will. Und was in der Bibel steht. Der Teufel wollte versuchen, dass Jesus etwas Falsches tut. Der Teufel wollte Jesus hereinlegen. Der Teufel hatte eine erste Idee. Der Teufel sagte zu Jesus:
Jesus, du behauptest, du bist der Sohn von Gott. Der Sohn von Gott kann Wunder tun. Also kannst du Wunder tun. Du kannst aus Steinen Brot machen. Hier liegen viele Steine. Mach aus den Steinen Brot. Dann hast du was zu essen. Und ich kann sehen, dass du wirklich der Sohn von Gott bist. Jesus ließ sich nicht hereinlegen.Jesus sagte: Alle Menschen brauchen etwas zu essen. Aber viele Menschen haben auch Hunger nach Gott. Diese Menschen möchten etwas von Gott wissen.Diesen Menschen möchte ich von Gott erzählen. Die Menschen sollen sich über Gott im Himmel freuen. Das ist genauso wichtig wie Brot essen. Der Teufel überlegte eine zweite Idee. Der Teufel kletterte mit Jesus auf eine hohe Mauer.Der Teufel sagte: Jesus, du behauptest, du bist der Sohn von Gott.Wenn du der Sohn von Gott bist, passt Gott immer auf dich auf. Dir kann nichts passieren.Du kannst einfach von dieser Mauer herunter springen. Gott passt auf dich auf.Gott passt auf, dass du dir kein Bein brichst. Das steht in der Bibel. Jesus ließ sich nicht hereinlegen. Jesus sagte zum Teufel: Ja, Gott passt auf alle Menschen auf.
Das steht in der Bibel. Aber in der Bibel steht auch: Die Menschen sollen selber aufpassen. Die Menschen sollen keinen Unsinn machen. Von der hohen Mauer springen ist Unsinn.
Der Teufel überlegte eine dritte Idee. Der Teufel ging mit Jesus auf einen hohen Berg. Da konnten Jesus und der Teufel die ganze Welt sehen. Der Teufel sagte zu Jesus: Du siehst die ganze Welt. Ich bin König von der ganzen Welt. Du sollst zu mir beten. Dann kannst du König werden. Du kannst König über die ganze Welt werden. Wenn du König über die ganze Welt bist, kannst du befehlen: Alle Menschen in der Welt sollen tun, was in der Bibel steht. Jesus ließ sich nicht hereinlegen. Jesus sagte zum Teufel: Geh weg, du Teufel. In der Bibel steht:Wir sollen nur zu Gott beten. Wir sollen nur Gott anbeten. Und das will ich tun.Ich will nur Gott anbeten. Da ging der Teufel erst einmal weg. Und ließ Jesus in Ruhe. Engel kamen zu Jesus. Engel sind Boten von Gott. Die Engel bedienten Jesus.
Lied:Gl 450: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht…
Predigtgedanken
Wenn man bei Wikipedia das Stichwort „Versuchung“ aufruft, dann findet sich dort folgende Umschreibung: Eine Versuchung ist der Anreiz oder die Verleitung zu einer Handlung, die reizvoll erscheint, jedoch unzweckmäßig ist, einer sozialen Norm widerspricht bzw. verboten ist. Sie kann sich auf alle Arten von Tun oder Lassen (Handlungen oder Unterlassen) beziehen. Die begangene Handlung kann Reue und Schuldgefühle auslösen.
Die Versuchung kann in dem Gegenstand der Begierde als solchem oder in der Art seiner Präsentation liegen oder durch andere Personen hervorgerufen werden, die durch Verführungskünste in Versuchung führen (z.B. Schmeicheln, Bitten, Anleiten, Anstiftung, Anpreisen, Erwecken von Neugier, Einsatz von Autorität, Erzeugen von Angst, Drohung mit Verlust oder Manipulation).
Wir kennen die Versuchung der Macht. Wir kennen die Versuchung des Fleisches. Wir kennen die Versuchung, zu viel zu essen und zu trinken, Ungesundes zu uns zu nehmen oder in Untätigkeit zu verfallen.
In dem Wort „Versuchung“ stecken sowohl die Begriffe „suchen“ und „Versuch“. Unser ganzes Leben sind wir auf der Suche; auf der Suche nach Erfüllung unserer Wünsche und Sehnsüchte; auf der Suche nach Erfolg und Anerkennung, nach Wertschätzung und Geliebt-Werden, auf der Suche nach gelingendem Leben, nach erfülltem Leben.
Und unser ganzes Leben lang versuchen wir, die Grenzen unseres Lebens und unserer Lebensgestaltung auszuloten. Schon als kleine Kinder versuchen wir heraus zu finden, wie weit wir im Umgang mit unseren Eltern gehen können, als Jugendliche in der Pubertät versteigen wir uns manchmal in wahnwitzige Mutproben, um uns selber zu beweisen oder anderen zu beweisen, was wir alles drauf haben. Sportler gehen immer wieder an die Grenzen des Machbaren und versuchen, bestehende Rekorde zu brechen und zu überbieten. Politiker versuchen - auch gegen alle Vernunft - ihren Willen anderen aufzuzwingen und ihre ureigenen Interessen und Großmachtsphantasien durchzusetzen.
Die Grenze zwischen „suchen“, „Versuch“ und „Versuchung“ sind manchmal fließend. Und oft wird uns zu spät bewusst, dass wir die Grenze überschritten haben.
So wie Adam (wörtlich übersetzt: der Mensch) und Eva (wörtlich übersetzt: das Leben). Auch sie erliegen mehreren Versuchungen: Zum einen der Manipulation durch den Versucher, den diabolos, der alles durcheinander bringt, der Misstrauen sät zwischen Mensch, dem Leben und Gott. Zum anderen der Versuchung, sich auf die gleiche Ebene wie Gott zu begeben, wie Gott zu sein, alles zu erkennen und unterscheiden zu können zwischen Gut und Böse. Auch heute erleben wir, dass es Menschen gibt, die meinen, über Leben und Tod entscheiden zu dürfen, die sich Gott gleich machen wollen.
In welchem Gegensatz dazu, steht die Verhaltensweise Jesu! Auch an ihn tritt der „Versucher“, der „diabolos“ heran und will ihn gegen Gott aufwiegeln. Infamerweise setzt der Versucher sogar Worte aus dem Alten Testament ein, um Jesus in Versuchung zu führen. Doch darauf geht Jesus nicht ein, sondern kontert mit einem entsprechenden Bibelwort.
Das setzt natürlich voraus, die Bibel in ihren wesentlichen Aussagen zu kennen. Und das stellt uns wiederum vor die Frage, könnten wir - in der Erfahrung der Versuchung - auf einen solchen Fundus an Bibelworten zurückgreifen? Wir sagen immer, die Bibel und das Evangelium sind Richtschnur und Orientierung für unser Leben. Aber wann haben wir denn das letzte Mal wirklich eine Bibel in der Hand gehabt? Könnte ich jetzt spontan sagen, wo in meiner Wohnung die Bibel steht? Präsident Trump wurde vor einiger Zeit einmal gefragt, was sein Lieblingsvers aus er Bibel ist. Er konnte keinen einzigen nennen.
Aber uns laden die Heiligen Vierzig Tage ein, uns wieder mehr mit der Heiligen Schrift zu beschäftigen. Ich kann mir ein Evangelium wählen; jeden Tag einige Zeilen lesen und mir Gedanken machen, was diese Worte mit meinem aktuellen, ganz konkreten Leben zu tun haben. Das kann mir bei der Suche nach Gott helfen, bei meinem Versuch, ihn in meinem Alltag zu finden und mich vor der ein oder anderen Versuchung bewahren.
Für Familien mit Kindern:
Es gibt viele Verbote: Du darfst nicht bei Rot über die Ampel gehen und in der Schule darfst du nicht abschreiben. Ohne Führerschein darfst du nicht mit dem Auto fahren und als Kind darfst du keinen Alkohol trinken. Verbote sind dazu da, Unfälle zu vermeiden und uns zu helfen, damit wir gesund bleiben. Natürlich gibt es auch Verbote, über die wir uns ärgern und die wir gerne übertreten wollen. Trotzdem ist es sinnvoll, über ihren Sinn nachzudenken, denn Verbote sind zum Schutz des Menschen da.
Lieber Gott, ich ärgere mich oft schrecklich, wenn mir meine Eltern etwas verbieten. Bitte, hilf mir, ruhig zu bleiben und mit meinen Eltern über das Verbot und seine Gründe zu sprechen. Vielleicht kann ich sie dann besser verstehen.(dkv - Mein Sonntagsblatt 2013)
Glaubensbekenntnis:Gl 586, 2
Fürbittgebet
Die Fürbitten sind unser Gebet für die anderen. Es bedarf nicht vieler Worte, denn Gott kennt uns und weiß schon zuvor, worum wir bitten wollen.
Wir können Fürbitten aussprechen, manchmal reicht es, die Namen derer laut auszusprechen, die man Gott ans Herz legen will, .
Wir dürfen Gott unsere Bitten aber auch still anvertrauen.
Als Antwortruf eignen sich: Gl 182 oder Gl 817
oder:
Herr Jesus Christus, du hast den Versuchungen des Bösen widerstanden und dich ganz dem Willen deines Vaters anvertraut. Wir bitten dich:
➢ Für die Menschen in der Ukraine, die unter Krieg und Zerstörung zu leiden haben; und für alle, die weltweit unter Gewalt und Terror leben müssen.
➢ Für alle Politikerinnen und Politiker, Diplomatinnen und Diplomaten, die versuchen, echte Friedensgespräche zu vermitteln und einen Beitrag zu Entspannung und Versöhnung zu leisten.
➢ Für alle, die in diesen Heiligen vierzig Tagen neu nach dem Willen Gottes fragen und ihr Leben neu am Wort der Heiligen Schrift ausrichten wollen.
➢ Für alle unseren Verstorbenen, die im Vertrauen auf dich ihr Leben in deine Hände gelegt haben.
Herr, unser Gott, du bist bei uns, wo immer wir auch sind. Gerade in Angst und Not verlierst du uns nicht aus deinem Blick. Auf dich hoffen wir. Bleibe mit uns auf dem Weg durch diese schweren Zeiten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn.
Hinführung zum Vater unser:
Herr Jesus Christus, du willst uns durch alle Versuchungen führen, uns in allen Versuchungen bewahren. Mit deinen Worten wollen wir antworten und zu ihm beten: Vater unser…
Lied:Gl 381, 1+4: Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus…
Gebet:
Gott,
du befreist mich von dem, was früher war
und machst mich bereit für das Heute.
Du schaust mehr auf meinen guten Willen
als auf mein Unvermögen.
Du stehst hinter mir,
darum kann ich zu mir stehen.
Du glaubst an mich,
darum kann auch ich an mich glauben.
Du nimmst mich an und liebst mich,
darum kann ich mich akzeptieren und lieben.
Weil du, Gott, da bist,
werde ich zum Ich!
(Hanns Sauter: Schöne Gebete und kleine Andachten für jeden Tag; S. 14)
Segen
So segne uns und alle, die uns nahe sind, der allmächtige und barmherzige Gott - der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Singet Lob und Preis - Dank sei Gott, dem Herrn!
Lied:Gl 453, 1-4: Bewahre uns, Gott...
