Hausgottesdienst am
2. Sonntag der Osterzeit
12. April 2026
Lied: Gl 457, 1-3
Kreuzzeichen
evtl. Entzünden einer Osterkerze oder einer anderen Kerze
Gedanken zur Hinführung:
Den 2. Sonntag der Osterzeit nennen wir den „Weißen Sonntag.“ In vielen Pfarrgemeinden wird an diesem Sonntag Erstkommunion gefeiert. Wir schauen heute bewusst auf den Apostel Thomas, der uns immer im Evangelium des 2. Ostersonntags begegnet. Er will den Auferstandenen nicht nur sehen, er will ihn berühren. Er will - im wahrsten Sinne des Wortes - das Geheimnis der Auferstehung be - greifen. Vielleicht geht es uns oft genauso. Vielleicht ist uns der Apostel Thomas näher als wir denken. Stimmen wir ein in das Lob Gottes:
Lied: Gl 168 (3x) oder: Gl 167
Gebet:
Christus, du Weg zu Gott, dem Vater.
Deine Gegenwart und Nähe hat Thomas leibhaftig erfahren.
Wir bitten dich:
Überwinde auch unsere Zweifel
und stärke uns in der Gewissheit des Lebens,
das du uns in deiner Auferstehung geschenkt hast.
Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und wirkst in Ewigkeit.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - (Joh 20,19-31)
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
Thomas, genannt Didymus - der Zwilling, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.
Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.
oder in Leichter Sprache:
Auf einmal ist Jesus mitten bei seinen Freunden. Am Ostermorgen war Jesus von den Toten auferstanden. Maria von Magdala hatte Jesus schon gesehen. Maria von Magdala hatte den Jüngern erzählt, dass Jesus lebt. Aber die Jünger konnten immer noch nicht glauben, dass Jesus lebt. Am Abend des Ostertages waren alle Jünger zusammen. Nur einer fehlte. Das war Thomas. Thomas war nicht da. Die anderen Jünger hatten immer noch Angst. Weil die Menschen Jesus umgebracht hatten.
Die Jünger schlossen alle Türen ab. Plötzlich kam Jesus. Jesus stellte sich mitten unter die Jünger. Jesus sagte zu den Jüngern: Friede sei mit euch.
Dann zeigte Jesus den Jüngern seine Hände. Und Jesus zeigte seine Seite. Da freuten sich die Jünger. Weil es wirklich Jesus war. Jesus sagte noch einmal: Friede sei mit euch. Mein Vater hat mich zu den Menschen geschickt. Jetzt schicke ich euch genauso zu den Menschen. Wie das mein Vater bei mir gemacht hat. Jesus hauchte die Jünger an. Dazu sagte Jesus: Das ist der Atem von Gott. Das ist die Kraft von Gott. Die Kraft von Gott ist der Heilige Geist. Ihr bekommt den Heiligen Geist
Mit dieser Kraft könnt ihr den Menschen die Sünden vergeben. Bringt Frieden zu den Menschen. Später kam Thomas dazu. Die Jünger sagten: Wir haben Jesus gesehen. Thomas sagte: Das kann gar nicht sein. Jesus ist tot. Ich glaube das nicht, dass Jesus da war. Ich glaube das nur, wenn ich Jesus auch sehe. Ich glaube das nur, wenn ich Jesus anfassen kann. Nach einer Woche waren wieder alle Jünger versammelt. Thomas war auch dabei. Alle Türen waren wieder abgeschlossen.
Da kam Jesus. Jesus stand wieder mitten unter seinen Jüngern. Jesus sagte:
Friede sei mit euch. Dann ging Jesus zu Thomas. Jesus zeigte Thomas seine Hände.
Thomas konnte die Wunden sehen. Jesus sagte zu Thomas: Hier sind meine Hände.
Fass sie mit deinen Fingern an. Jesus zeigte auch seine Seite. Thomas konnte die Wunde sehen. Jesus sagte zu Thomas: Streck deine Hand aus. Fass meine Seite an.
Dann kannst du glauben, dass ich es bin. Thomas war völlig überrascht.
Thomas sagte voller Freude: Du bist wirklich Jesus. Mein Herr und mein Gott.
Jesus sagte zu Thomas: Du glaubst jetzt, weil du mich gesehen hast. Andere Menschen können mich nicht sehen. Sie glauben trotzdem, dass ich lebe.
Sie dürfen sich freuen. Jesus hat noch viel, viel mehr getan. Das kann man alles gar nicht aufschreiben. Aber einige Sachen haben die Jünger aufgeschrieben. Damit wir glauben, dass Jesus wirklich von Gott kommt. Dass Jesus der Sohn von Gott ist.
Und damit wir selber auch das Leben von Gott haben. Und die Freude von Gott.
© evangelium-in-leichter-sprache.de
Lied: Gl 322, 9-11
Predigtgedanken
„Ich bin von felsenfest überzeugten Menschen umgeben und habe Angst, dass diese Steine mich erschlagen.“ Ein Wort von Armin Gallus, evangelischer Theologe im 16. Jahrhundert.
Vielleicht ist mir deshalb der Apostel Thomas ein so lieber Heiliger, weil er eben nicht felsenfest überzeugt ist, weil er zweifelt, weil er sich selber eine begründete Meinung bilden will und sich nicht nur auf das verlassen will, was andere ihm sagen.
Ja, auch er will begreifen, was es heißt: „Da ist einer von den Toten auferstanden.“ Doch die Bedeutung des Wortes „begreifen“ meint auch das konkrete Hin-greifen, das An-greifen. Und der Auferstandene macht sich im wahrsten Sinne des Wortes für Thomas angreifbar und somit letztlich auch begreifbar.
Wir leben in einer Zeit, in der wir nicht so einfach jedem Wort und jedem Satz Glauben schenken können und wollen.
Mit Blick auf die Zustände in unserer Welt werden wir oft abgespeist mit Halbwahrheiten, Verdrehungen und Lügen. Man weiß bald nicht mehr, was man noch glauben soll und kann. Auch wir wollen begreifen, was um uns herum vorgeht, wie es um unsere Welt bestellt ist.
Unser Glaube fordert uns immer wieder dazu auf, Suchende und Fragende zu sein und zu bleiben. Unser Glaube ist keine Gewissheit, wie auch das Wesen Gottes im Letzten keine Gewissheit ist. Immer bleiben wir Tastende, Ahnende, Hoffende. Paulus schreibt im Brief an die Römer: Hoffnung, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung.
Unsere Auferstehungshoffnung – ebenso wie die des Thomas - besteht darin, dass wir eine Ahnung erhalten, was Auferstehung bedeutet. Wir dürfen hinspüren, uns herantasten, aber wir können und dürfen nicht festhalten.
Auch Maria von Magdala hört aus dem Mund des Auferstandenen das Wort: „Halte mich nicht fest. Denn ich bin noch nicht zu meinem Vater hinaufgegangen.“
Es braucht auch immer wieder den so genannten „Sprung des Glaubens“ – ausgedrückt in folgender kurzen Geschichte: Eines Nachts brach in einem Haus ein Brand aus. Während die Flammen hervorschiessen,
stürzen Eltern und Kinder aus dem Haus. Entsetzt sehen sie dem Schauspiel
des Brandes zu.
Plötzlich bemerken sie, dass der Jüngste fehlt, ein fünfjähriger Knabe, der sich im
Augenblick der Flucht vor Rauch und Flammen fürchtete und in den oberen Stock
kletterte. Man schaut einander an. Keine Möglichkeit, sich in etwas hineinzuwagen,
das immer mehr zu einem Glutofen wird. Da öffnet sich oben ein Fenster.
Das Kind ruft um Hilfe. Sein Vater sieht es und schreit ihm zu: „Spring!“
Das Kind sieht nur Rauch und Flammen. Es hört aber die Stimme des Vaters und
antwortet: „Vater, ich sehe dich nicht!“ Der Vater ruft ihm zu: „Aber ich sehe
dich, das genügt, spring!“ Das Kind springt und findet sich heil und gesund in den
Armen seines Vaters, der es aufgefangen hat.
(aus: Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 1, Nr.91)
Wir können den Vater im Letzten nicht sehen. Wir hören nur seine Stimme. Wir hören, dass er uns beim Namen ruft, dass er uns Mut macht, den Sprung des Glaubens zu wagen, dass er uns zusagt, dass wir bei diesem Sprung nicht ins Bodenlose stürzen, sondern dass er uns auffängt mit unseren Fragen, unseren Ängsten unseren Zweifeln.
Thomas genügt diese tastende, hinspürende Annäherung an den Auferstandenen und somit an die Erfahrung der Auferstehung, um am Ende bekennen zu können: Mein HERR, und mein GOTT!
Finde auch ich den Mut, mich so dem Auferstandenen zu nähern und den Sprung des Glaubens zu wagen?
Glaubenslied: Gl 456, 1+2+4
Fürbitten:
Herr Jesus Christus, du willst uns nahe sein. du hilfst uns, dich zu begreifen als den Auferstandenen. Wir bitten dich:
Für alle, die tastend Gott suchen, dass sie ihn finden.
Für alle, die meinen, Gott zu besitzen, dass sie ihn suchen.
Für alle, die die Zukunft fürchten, dass sie vertrauen.
Für alle, die gescheitert sind, dass sie neue Chancen bekommen.
Für alle, die zweifeln, dass sie nicht verzweifeln.
Für alle, die verloren umherlaufen, dass sie ein Zuhause finden.
Für die Einsamen, dass sie einem Menschen begegnen.
Für alle, die hungern, wie auch immer, dass sie satt werden.
Für alle, die satt sind, dass sie lernen, was Hunger ist.
Für alle, die es gut haben, dass sie nicht hartherzig werden.
Für die Mächtigen, dass sie ihre Verletzlichkeit begreifen.
Für alle, die in dieser Welt leben zwischen Hoffnung und Furcht
und für uns selbst beten wir zu Gott:
Befreie uns von der Furcht und von der falschen Sicherheit
und gib uns alles, was gut für uns ist,
durch Christus, unsern Herrn
( Aus: Beten - action 365 - S. 68)
Vater unser
Jesus, du bist uns nahe - in deinem Wort, in unserem Beten und Singen, in unserem Zusammen - Sein. Mit deinen Worten dürfen wir beten: Vater unser…
Lied: Gl 337,1+3
Zum Nachdenken
Ich muss nicht das tun, was alle anderen tun!
Ich muss nichts das fühlen, was die anderen empfinden.
Ich muss nicht das glauben, was andere mir sagen.
Ich glaube nur das, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe.
Das sagt auch der Apostel Thomas, als sie ihm Unglaubliches erzählen:
„Jesus ist nicht tot, er lebt! Wir sind ihm begegnet.“
Aber das kann nicht sein, auch wenn er das gerne glauben würde…
Doch dann kommt Jesus zu ihm,
schaut ihn an
und spricht ihn an.
Da erkennt Thomas:
Jesus, du kommst zu mir.
Du willst mich 'treffen'.
Du willst mir nahe kommen.
Du siehst mich an.
Ich darf dich ganz persönlich erleben.
Ich darf dich berühren.
Du lässt dich fassen, wo du doch unfassbar bist.
„Mein Herr und mein Gott!“
Bin ich auch bereit, dir zu begegnen?
Spüre ich Deine Nähe?
Lasse ich mich von Dir berühren?
Erkenne ich Dich in unserer Welt?
Glaube ich, auch ohne zu sehen? (Norbert Koch)
Lied: Gl 497, 1+2+4
Gebet:
Mein Herr und mein Gott,
Dank Thomas, der zweifelte
und den Auferstandenen berühren wollte,
wird uns offenbar, dass Christus sich berühren lässt -
auch von uns.
Durch den, der zweifelte, bringst du denen, die zweifeln,
die Botschaft vom Leben und vom Frieden.
Lass uns - gestärkt durch Dein Wort und Deine Nähe
aus Glauben und Vertrauen leben.
Gib uns den Mut, auch unsere Zweifel anzunehmen.
Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Jesus Christus,
unseren auferstandenen Herrn.
Segen:
Sei gesegnet,
wo du anfängst und aufhörst,
wo du betest und arbeitest.
Sei gesegnet,
wo du Feinde hast und verkannt wirst,
wo du Ansehen genießt und geachtet wirst.
Sei gesegnet,
wo du den Kürzeren ziehst und verlierst,
wo du Erfolg hast und gewinnst.
Sei gesegnet,
wo du nachsiehst und übersiehst,
wo du nachgibst und vergibst.
Sei gesegnet,
wo du wachst und schläfst,
wo du bittest und dankst.
Sei gesegnet,
wo du deinen Gott suchst und vor ihm schweigst,
wo du ihn vermisst und ihm begegnest,
wo er dich umarmt und auffängt. ( Paul Weismantel in Kürzinger/Sill: Das große Buch der Gebete - S. 813f)
So segne uns und alle, die uns nahe sind, der allmächtige und barmherzige Gott -
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Singet Lob und Preis - Dank sei Gott, dem Herrn!
Lied: Gl 831, 1-3
