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Bekanntmachungen

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Aschermittwoch 2021
Predigt

Auch am Aschermittwoch wirbelt Corona altvertraute Traditionen ein wenig durcheinander. Die geweihte Asche wird in diesem Jahr nicht als Kreuz auf die Stirn gezeichnet, sondern - wer dies möchte - erhält die Asche auf's Haupt gestreut. Damit greifen wir wieder eine Form auf, die sich im Alten Testament z. B. im Buch Josua und im Buch Hiob findet, bzw. wie sie ab dem 10. Jahrhundert für die Männer üblich war.
Die Asche ersteht aus der reinigenden Kraft des Feuers. Aus Palmzweigen des vergangenen Palmsonntags wird sie gewonnen. Sie ist Zeichen unserer menschlichen Vergänglichkeit und unserer Sterblichkeit. Von der Erde sind wir genommen, zur Erde kehren wir irgendwann zurück. So wie der Prediger Kohelet im Alten Testament immer wieder betont: Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch - so steht uns am Aschermittwoch bildlich die Mahnung vor Augen: „Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurück kehrst.“
Asche ist damit auch Symbol der Trauer und der Buße. Alle Äußerlichkeiten, aller schöner Schein werden enttarnt in ihrer Vorläufigkeit.
Wir wissen aber auch um den Mythos des Phoenix, der aus der Asche zu neuem Leben aufsteigt.
Eine alte Sage erzählt: Wenn dieser Wundervogel sein Ende nahen fühlt, baut er sich auf der höchsten Palme ein Nest aus Dufthölzern. Schon vor dem Sterben lässt er sie von der glühenden Sonne entzünden und facht die Flamme mit seinem Flügelschlag an. Dann lässt er sich verbrennen. Aus der Asche entsteht der neue Phönix, der nach vielen Jahren denselben Vorgang erneuert. (Willi Hoffsümmer - Kurzgeschichten 1 - 58/ S. 44)
So steht Asche auch für Neuaufbruch und Neuanfang. Nicht umsonst erlebt die Vegetation nach einem Flächenbrand oder nach einem Vulkanausbruch eine immense Fruchtbarkeit. Heute - am Aschermittwoch - stehen uns die vielfältigen Deutungsmöglichkeiten der Asche wieder vor Augen: Buße - Trauer - Vergänglichkeit - Sterblichkeit - Neuanfang - neu aufblühen. Wir lassen uns keine alltägliche Asche auf's Haupt streuen. Zuvor bitten wir Gott um seinen Segen über diese Asche. Wo Gott die Hand im Spiel hat, da geschieht Wandlung zum Guten hin. Wenn Gott seinen Segen auf jemanden legt, dann bleiben wir nicht stehen bei Trauer und Vergänglichkeit. Dann eröffnen sich neue Möglichkeiten. Da tun sich verschlossene geglaubte Türen wieder auf.
In dieser Corona-Zeit machen wir vielfältige Erfahrungen mit verschlossenen Türen - ganz konkret, aber auch im übertragenen Sinn. Vieles, was immer so selbstverständlich erschien, ist uns versperrt, ist uns verwehrt. Aber manchmal sind auch wir selber es, die Türen versperren, die Wege behindern, Zugänge blockieren.
Durch unsere eigene Lebensweise, durch unser persönliches Verhalten, durch unsere Schuld, unser Versagen machen wir uns und anderen das Leben oft unnötig schwer. Allein und aus eigener Kraft schaffen wir es nicht, uns aus dieser Enge, dieser gedanklichen und emotionalen Gefangenschaft zu befreien.
Da ist es gut, unseren Gott an unserer Seite zu wissen, der Ketten lösen, Mauern sprengen, neue Türen öffnen kann, damit wir wieder in die Weite, in die Freiheit finden können. Wie der Phönix sind auch wir dazu bestimmt, uns aus der Asche, aus der Vergänglichkeit neu aufzuschwingen in neue Höhen, in neues Leben.
Gut sieben Wochen sind uns jetzt wieder geschenkt, bewusst auf unser Leben zu schauen. was darf und soll in den Staub sinken? Was darf, was soll, was muss vergehen? Was will ich hinter mir lassen? Aber auch: worauf will ich zugehen? Was soll neu werden? Wo hoffe ich auf Aufbruch und Neubeginn - mit Gottes Hilfe und in seinem Namen?!

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